Gefahrgut

Gefahrgut

Ständig muss sich eine Feuerwehr mit dem Gefahrenthema auseinandersetzen. Erst recht wenn sie an der Hauptverkehrsader zwischen Deutschland und Italien agiert. Bei mehr als 2 Millionen LKWs pro Jahr über den Brenner ist die Gefahr stets zugegen – nicht nur einmal kam es in der Vergangenheit zu Zwischenfällen. Die Feuerwehr Steinach ist nicht nur mit ihrer Spezialausrüstung im Abschnitt Wipptal zuständig, sondern kann sogar für Einsätze im ganzen Land Tirol herangezogen werden. Eine kleine Schnellinformation soll einen Überblick über eingesetzte Geräte an unserem Stützpunkt geben. Das Sachgebiet „Gefährliche Stoffe“ ist das umfangreichste Sachgebiet.

Gefahrgutbeauftragter
OBI Florian RAFFL

Der Beauftragte hat die Aufgabe die taktische Vorgehensweise bei einem Gefahrguteinsatz zu schulen. Ebenso hat er bei den anderen Themen die Ausbildung zu koordinieren und dessen Referenten bestmöglich zu unterstützen. Er ist auch bei Einsätzen für Gefahrgut als Berater für andere Ortskommandanten im Bezirk tätig. Dieses Sachgebiet unterteilt sich in folgende weitere Sachgebiete und Themen:

Das Gefahrgutfahrzeug (GGF) der FF Steinach gilt als das erste der neuen Generation in Tirol. Neben den Standardgeräten wie Stromaggregat und Lichtmast, findet man in diesem Fahrzeug alles, was man bei einem Gefahrguteinsatz benötigt. Erwähnenswert ist auch die 1000kg Hebebühne für den Geräteraum 7 am Heck.
Gerätschaften für das Sachgebiet „Gefährliche Stoffe“ befinden sich zu 95% im GGF. Oft sind aber diese doppelt bestückt – jedoch nur aus einem anderen Werkstoff, da zum Beispiel für brennbare Flüssigkeiten wegen der statischen Aufladung kein Kunststoff verwendet werden darf oder für stark ätzende Stoffe der Edelstahl zu schwach ist. Bei brennbaren Flüssigkeiten ist auch die Erwärmung der Pumpe zu beachten, denn zu warme Pumpen und deren Motoren könnten den Stoff entzünden!

Die Gerätschaften werden in folgende Punkte grob unterteilt:
  • Abdichten
  • Binden
  • Auffangen
  • Umpumpen
  • Erden
  • Spezialwerkzeug
  • Transport
Die Feuerwehr kann nur sein volles Aufgabengebiet erfüllen, wenn diese über modernste Schutzausrüstung für die verschiedensten Einsätze mit gefährlichen Stoffen verfügt. Deshalb gibt es auch verschiedenste Schutzstufen:
  • Schutzstufe 1: Brandschutzbekleidung
  • Schutzstufe 2: Teilschutzbekleidung
  • Schutzstufe 3: Vollschutzbekleidung
  • Schutzstufe 4: Spezialvollschutzbekleidung
Unterbekleidung:
Unter all diesen Schutzanzügen ist auch ein spezieller Anzug nicht nur aus hygienischen und komfortablen Gründen anzuziehen, sondern hauptsächlich zum Schutz für den Träger. Diese Funktionswäsche ist nicht nur flammhemmend. Sie wird vom Mann als Unterwäsche im Schutzanzug getragen.
Schutzstufe 1:

Der Feuerwehrmann trägt seine persönliche Brandeinsatzbekleidung mit Atemschutz und Gefahrgutausrüstung (Handschuhe /Stiefel). Bei Gefahrguteinsätzen ist dies der Mindestschutz für Menschenrettung.
Schutzstufe 2:
Diese Schutzausrüstung kann vor Stäuben, Flüssigkeiten und sogar bedingt vor Hitze schützen, jedoch sind diese nicht für alle Stoffe geeignet. Deshalb gibt es verschiedenste Arten von diesen Anzügen. Zudem schützen diese nicht vor giftigen Gasen und Dämpfen.

konta

Kontaminationsschutzanzug: DuPont Tyvek wird hauptsächlich bei Einsätzen mit Stäuben, veterinären Maßnahmen oder bei Strahlenschutzeinsätzen verwendet. Man kann ihn mit einem Filtergerät oder einem Pressluftgerät verwenden.

splash

Der Trellchem Splash 1000 – Schutzanzug kann bei Stoffen verwendet werden die keine ätzenden Gase oder Dämpfe produzieren und wenn der Stoff nicht brennbar ist. Er wird hauptsächlich bei der Dekostraße verwendet. Es ist der einzige Anzug der Schutzstufe 2, bei dem das ATS-Gerät unter dem Anzug getragen wird. Er muss ausschließlich mit einem Pressluftgerät getragen werden. Maximale Einsatzzeit beträgt 15 Minuten.

iso

Der Isopant – Schutzanzug kann speziell bei feuergefährlichen Stoffen verwendet werden, die keine ätzenden Gase oder Dämpfe produzieren. Dieser Anzug quillt beim Auftreten einer Stichflamme sofort auf und ist damit kurzzeitig hitzebeständig. Dieser Anzug darf ausschließlich mit einem Pressluftgerät getragen werden. Dadurch ergibt sich wieder eine max. Einsatzdauer von 15 Minuten.

hitze

Der Hitzeschutz „Tempex“ in der mittelschweren Ausführung zählt auch zur Schutzstufe 2. Da bei der speziellen Brandbekämpfung mit Schaumrohren aufgrund ihrer kleinen Wurfweite die normale Brandschutzbekleidung nicht ausreichen kann, benötigt man diesen Anzug. Es kann auch die Brandschutzhaube „Linz“ mit den Handschuhen ohne Mantel getragen werden. Spezielle Einsätze wären Brände mit gefährlichen Stoffen oder bei LKW-Bränden mit extremer Hitzeentwicklung. Dieser Anzug ist jedoch nicht für die normale Brandbekämpfung in Gebäuden geeignet, da er nicht vor heißen Brandgasen schützt, sondern ausschließlich die Hitzestrahlung reflektiert. Man muss auch hier ein Atemschutzgerät außen tragen und ergibt eine Einsatzzeit von max. 30 Minuten.


* Die maximale Tragezeit beträgt eigentlich bei allen Schutzanzügen mit Pressluftatmern 30 min. Es wird aber davon ausgegangen, dass bei einem Trupp die Dekontamination 15 min. dauert. Deshalb bleiben für die Einsatzbewältigung 15 min. übrig.
Schutzstufe 3:

Körperschutzbeauftragter
LM Mario MELLAUNER

Diese Chemieschutzanzüge (CSA) sind die höchste Schutzstufe bei der FF Steinach und sind gegen alle Stoffe der Welt mindestens 15 Minuten* beständig und dürfen erst danach langsam Veränderungen aufweisen, wie zum Beispiel, dass sich die Farbe verändert.

Schutzstufe III bedeutet auch, dass diese absolut gasdicht sein müssen.
Somit befindet sich der Geräteträger in einer absolut getrennten Atmosphäre gegenüber der Umgebung. Zudem sind die CSA stichflammenfest. Auch hier muss der Geräteträger einen Pressluftatmer unter dem Anzug tragen und hat eine maximale Einsatzdauer von 15 Minuten*. Allerdings besteht die Möglichkeit ein externes Langzeitversorgungsgerät, das LVS 12, mittels max. 50m langen Schläuchen anzuschließen.
Dadurch kann man nicht nur die Einsatzdauer erheblich verlängern, sondern auch eine sogenannte Belüftung einschalten. Damit kann man zumindest die Temperatur im Anzug ein wenig regulieren.
Da die Handhabung dieser Schutzstufe nicht einfach ist, muss der Geräteträger den Körperschutzlehrgang an der LFS Tirol besuchen und danach alle 2 Jahre mindestens eine Übung absolvieren. Dabei wird nicht nur das Anziehen und Ausziehen beübt, sondern auch das Arbeiten mit verschiedenen Gerätschaften, da der Träger mind. 3 Paar Handschuhe an hat.
Der Sachgebietsleiter muss nicht nur diese Übungen abhalten, überwachen und protokollieren, sondern auch „Helfer“ einschulen, denn ein alleiniges Anziehen dieser Schutzstufe ist unmöglich. Diese Schutzanzüge müssen nicht nur jährlich an der LFS Tirol überprüft werden, sondern auch nach jeder Übung, denn jede Undichtheit könnte bei einem nachfolgendem Einsatz tödliche Folgen nach sich ziehen.
Weitere Schutzstufen:
Zudem gäbe es noch Vollschutz-Hitzeschutzanzüge (Schutzstufe III), gasdichte Chemiehitzeschutzanzüge sowie gasdichte Chemiekälteschutzanzüge (Schutzstufe IV), aber diese aufwändigen und kostspieligen Schutzausrüstungen sind bei der FF Steinach nicht vorhanden, da sie nicht benötigt werden.
Bei einem Gefahrguteinsatz werden verschiedenste Messtechniken verwendet, damit man überhaupt sicherstellen kann um welche Stoffart es handelt: Säure oder Lauge und ob dieser brennbar ist.
Die Feuerwehr hat auch die Möglichkeit teilweise herauszufinden, um welchen Stoff es sich handelt und welche Gefahren möglich sind.

Diese Daten werden benötigt, damit im Unfallbereich die Konzentration des Stoffes sichergestellt werden kann, wie man weiter vorgeht, ob die Einsatzkräfte sich wirklich im sicheren Bereich befinden und ob eventuell auch die unmittelbare Bevölkerung evakuiert werden muss.

Es wird durch diese Messergebnisse entschieden, welcher Schutzanzug, welche Pumpen und Schläuche, welche Abdichtmaterialien und Auffangbehälter verwendet werden können, damit diese nicht beschädigt werden und eine Verschleppung des Stoffes ausgeschlossen werden kann.
Man hat zum Beispiel auch die Möglichkeit bei Silos oder Schächten zu messen, ob genügend Sauerstoff vorhanden ist. Weiters ist bei Gebäuden mit Gasanschluss zu kontrollieren, ob es sich wirklich um einen Gasaustritt handelt. Unter anderem kann man so herausfinden, ob beispielsweise eine Explosion bevorsteht, oder ob es nur nach dem Geruchsstoff riecht.

Zusammengefasst, nur mit den richtigen Messgeräten kann die Feuerwehr bei Gefahrguteinsätzen richtig und schnell helfen!

Beauftragter Messgeräte
BM Markus BALDEMAIR

Da jedes Messgerät seine eigene Messtechnik besitzt muss der Beauftragte die dafür vorgesehene Mannschaft nicht nur intensiv schulen, sondern auch diese hochsensiblen Geräte zeitaufwändig warten.
Es nützen die besten Schutzanzüge nichts, wenn nach einem Einsatz die Träger beim ausziehen erst recht mit den gefährlichen Stoffe in Kontakt geraten oder die Stoffe in saubere Zonen verschleppt werden.

Verantwortlicher Dekostraße
OBI Florian RAFFL

Da die Dekontaminationsstraße (Deko-Straße) gleichzeitig neben dem laufenden Gefahrstoffeinsatz aufgebaut werden muss, ist dies nicht nur personell eine Herausforderung sondern auch eine zeitliche!
Ein Chemieschutzanzugträger (CSA-Träger) hat einen Luftvorart von ca. 30 Minuten. Davon wird die Hälfte für die Deko benötigt. Deshalb muss die Deko-Straße innerhalb von 15 Minuten aufgebaut und das Personal mit Schutzstufe 2 ausgerüstet sein.

chrisse

Kurzbeschreibung:
Die Deko-Straße betritt man über den sogenannten Sammeltrichter. Dort legt man in den bereitgestellten Behälter benutzte Gerätschaften ab und schließt sich, wenn vorhanden, mit dem Langzeitversorgungssystem (Atemluft) an.

Danach betritt man die Deko-Wanne und begibt sich in das Duschzelt. Dort wird die Grobreinigung mittels Hochdruckreiniger durchgeführt. Danach wird der Anzug mit dem Deko-Reinigungsmittel RM21 besprüht und mit Bürsten abgeschruppt. Nach der Einwirkzeit von 30 Sekunden erfolgt das Abduschen im Zelt mittels der eingebauten Düsen. Das anfallende kontaminierte Wasser muss danach abgepumpt und in einem beständigen Behälter gesammelt werden.

Nun steigt man in die „Abtropfwanne“. Es wird dort eine genauere Schuhdeko mit einer Bürste und einem Handbrause durchgeführt. Wenn eine Sohle gereinigt ist, darf der CSA-Träger den Fuß nicht mehr in die Wanne abstellen sondern steigt auf das Abtropfgitter, damit eine neuerliche Kontamination verhindert wird. Dort wird er mittels Messgeräten kontrolliert, ob die Deko erfolgreich war. War sie es nicht, muss der ganze Vorgang wiederholt werden.
War die Deko erfolgreich steigt der CSA-Träger in die runde Entsorgungsplane. Dieser Kreis markiert jenen Bereich, den er nicht verlassen und der Helfer nicht betreten darf.
Das gleiche gilt beim Ablegen des Schutzanzuges: der Träger darf die Außenseite nicht berühren und der Helfer nicht die Innenseite.
Wenn der CSA Träger aus den Stiefeln schlüpft, steigt er in die Innenseite des Anzuges und danach mit beiden Füßen außerhalb der Plane, damit er sich nicht eventuell mit der Unterkleidung kontaminiert.

Danach begibt sich der Träger in das mit Pressluft aufblasbare Schnelleinsatzzelt und kann sich die normale Einsatzbekleidung anziehen. Der Helfer nimmt die Plane, zieht diese zusammen und legt sie in einen bereitgestellten Behälter.

deko

Das Ablegen kann bei Schlechtwetter auch in einer Hälfte des Schnelleinsatzzeltes erfolgen.
Jedoch bei einer unsachgemäßen Dekontamination kann der Stoff verschleppt werden und dabei können sich entstehende Dämpfe im Zelt sammeln.
Gefahrguttransporte müssen besonders gekennzeichnet werden, damit diese überhaupt als solche erkannt werden können. Mit den Gefahrenzetteln und den Gefahrentafeln, die auf den Transportern befestigt werden müssen, kann die Feuerwehr sofort mit ihren Nachschlagewerken die Gefahren erkennen. Sie kann weiters feststellen, um welchen Stoff es sich handelt und welche Eigenschaften er besitzt. Erst dann ist es möglich bei einem Unfall richtig zu reagieren.
  • Der „Gefährliche Stoffe Blattler“: Diesen kleinen Ratgeber sollte jeder Feuerwehrmann besitzen, denn es sind dort alle Sofortmaßnahmen und die Gefahrensymbole beschrieben.
  • „Der neue Gefahrguthelfer“: Das umfangreichere Büchlein besitzen alle Pagerträger in Steinach. Es sind dort neben den Gefahrensymbolen erweiterte Sofortmaßnahmen und die häufigsten Stoffe beschrieben.
  • „Gefahrgut – Ersteinsatz -NÜßLER“: Das Buch ist in allen Fahrzeugen zur ersten Einsatzbewältigung vorhanden und ist noch ausführlicher als die beiden Nachschlagewerke zuvor.
  • „Hommel – Handbuch“: Dieses Nachschlagewerk ist Standard bei den Gefahrgutstützpunkten. Dort sind in 8 Bänden zu je 1000 Seiten alle gefährlichen Stoffe der Welt aufgelistet.
  • GGDat: Dies ist eine Computersoftware, die in Tirol entwickelt wurde und mittlerweile im ganzen deutschsprachigen Raum zum Einsatz kommt. Es ist bei den Gefahrstoffstützpunkten auf einen Laptop installiert, der im GGF mit einem Drucker mitgeführt wird. Diese Datenbank besitzt auch alle Informationen wie der „Hommel“.
  • Beständigkeitslisten: In den Beständigkeitslisten wird beschrieben, ob ein Schutzanzug einen Stoff aushält oder wie lange er ohne Gefahr für den Träger benutzt werden kann. Diese Beständigkeitslisten gibt es nicht nur für die Schutzanzüge, sondern für alle Gerätschaften für den Gefahrguteinsatz (von den Pumpen, Schläuchen und deren Dichtungen bis zu den Auffangbehältern). Deshalb sind im GGF die meisten Gerätschaften mehrfach, jedoch aus anderen Materialien, bestückt.